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Ort
Lengerich
Kategorie
Sehenswertes
| Ort | Lengerich |
|---|---|
| Kategorie | Sehenswertes |
Der Lengericher Tunnel ist der nördlichste echte Eisenbahntunnel Deutschlands. Nördlich davon schließt bereits die norddeutsche Tiefebene an. Die Bahnstrecke hatte große Bedeutung für den Warentransport zwischen dem Ruhrgebiet und den deutschen Seehäfen über Osnabrück, Bremen und Hamburg. Der im Jahr 1871 eröffnete Alte Tunnel steht seit 2015 unter Denkmalschutz. Die historische Röhre ist heute stellenweise baufällig, zugewachsen und nicht öffentlich zugänglich.
Geschichte zum Bau des TunnelsDie Geschichte des Tunnels reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1871 wurde der ursprüngliche Lengericher Tunnel eröffnet. Die 765 Meter lange Tunnelröhre gehörte fortan zur Bahnverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Norden Deutschlands.
Aufgrund des zunehmenden Verkehrsaufkommens entstand der Bedarf, die Kapazität der Strecke zu erweitern. Deshalb fiel 1926 die Entscheidung zum Bau einer zweiten Tunnelröhre. Gleichzeitig sollte die Strecke von zwei auf vier Gleise ausgebaut werden. Zwei Jahre später, im Jahr 1928, war der neue Tunnel fertiggestellt.
Nach der Inbetriebnahme der neuen Röhre war eine Sanierung des älteren Tunnels vorgesehen. Diese Pläne konnten jedoch nicht umgesetzt werden. Ab 1929 fehlten im Zuge der Weltwirtschaftskrise die notwendigen finanziellen Mittel. Die Sanierung unterblieb und die alte Tunnelröhre wurde stillgelegt.
Damit verlor der ursprüngliche Tunnel seine Funktion für den laufenden Eisenbahnverkehr. Als Zeugnis der frühen Eisenbahngeschichte blieb die im Jahr 1871 eröffnete Röhre jedoch erhalten. Im Jahr 2015 wurde der Alte Tunnel unter Denkmalschutz gestellt.
Heute befindet er sich stellenweise in einem baufälligen Zustand. Einige Bereiche sind zugewachsen und die alte Tunnelröhre ist nicht mehr öffentlich zugänglich.
Nutzung als KZ-Außenlager/Zwangsarbeit (1944–1945)Während des Zweiten Weltkriegs wurde die stillgelegte alte Röhre des Reichsbahntunnels zu einem Ort nationalsozialistischer Zwangsarbeit. Unter dem Tarnnamen „Rebhuhn“ diente der Tunnel zwischen 1944 und 1945 als bombensichere Produktionsstätte für die NS-Rüstungsindustrie. Das Lager unterstand dem KZ-Stammlager Neuengamme in Hamburg.
Zwischen März 1944 und März 1945 mussten mehr als 300 Häftlinge aus Deutschland, Frankreich, der Sowjetunion, Polen, Belgien und der Tschechoslowakei Zwangsarbeit leisten. Bis zu 200 Menschen gleichzeitig wurden zur Fertigung von Bauteilen für Jagdflugzeuge eingesetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren äußerst belastend. Die feuchtkalte Luft im Tunnel führte zeitweise zu einem Krankenstand von mehr als 40 Prozent. Bewacht wurden die Häftlinge unter brutaler Aufsicht von SS-Wachen. Das Krankenrevier befand sich im Keller der beschlagnahmten Gaststätte Brunsmann.
Zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verloren ihr Leben. Häftlinge wurden im Tunnel hingerichtet oder starben bei Bombenräumungen. Bei weiteren Todesfällen wurde angeblich Selbstmord als Ursache angegeben. Auch nach dem Abzug aus Lengerich setzte sich das Leiden fort: Menschen verhungerten in norddeutschen Todeslagern oder kamen beim irrtümlichen Bombardement von KZ-Schiffen durch britische Streitkräfte in der Lübecker Bucht ums Leben.
Viele Überlebende litten lebenslang unter gesundheitlichen Folgen. Auch Angehörige sowie die Hinterbliebenen der Getöteten waren von bleibenden Traumata betroffen. Die Nutzung des Lengericher Tunnels als KZ-Außenlager gehört damit zu den dunkelsten Kapiteln seiner Geschichte.